In unserem Verein haben sich Franzosen und in der Provence lebende Deutsche zusammengetan.
Er ist aus der Not heraus entstanden, dass im französischen Département VAR (in der Provence) nicht genügend Aufnahmekapazitäten für ausgesetzte und streunende Hunde existieren. Alle Tierheime sind hoffnungslos überfüllt und haben Aufnahmestopp. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, zahlen das Benzin für die Transporte, die Telefonkosten und die Inserate aus der eigenen Tasche. Der Verein besitzt kein Tierheim. Die Tiere werden in Pflegefamilien oder einfachen Pensionen untergebracht. Von den Spenden werden diese Pensionskosten und die Tierarztkosten bezahlt.
Der VAR ist in großen Teilen ein recht ländliches Gebiet mit vielen kleinen Kommunen. Die Leute sind meist nicht oder schlecht eingezäunt, die Hunde laufen frei herum – oft unkastriert. Seit 1999 und dem neuen Gesetz gegen sogenannte Kampfhunde wird die Polizei vermehrt angehalten, frei laufende Hunde als „Erziehungsmaßnahme“ einzufangen. Nur leider sind viele Leute außerstande, ihren Hund wiederzufinden. Sie warten darauf, dass er – wie vorher immer – wieder nach Hause kommt, fragen im Umfeld, aber wissen oft nichts über eine 30 km entfernt liegende fourrière, die für ihre Kommune zuständig ist.
Alle französischen Kommunen sind verpflichtet, einen Vertrag mit einer fourrière zu haben, d.h. Hunde, die auf ihrem Gebiet gefunden werden, müssen dort für die Dauer von ca 2 Wochen aufbewahrt werden. In dieser Zeit hat der Besitzer die Möglichkeit, seinen Hund gegen Zahlung einer Strafe und eines bestimmten Tagessatzes auszulösen. Eine fourrière ist kein Tierheim, sondern eine Art Auffangstation für Streuner.
Es gibt fourrières, die Verträge mit über 30 Kommunen haben. Je nach Größe dieser Orte sind auch die fourrières mehr oder weniger überfüllt und in einem desolaten Zustand. Da außer der Polizei, die die Hunde abliefert, keine Privatperson Zutritt zu einer fourrière hat, dringt darüber auch recht wenig an die Öffentlichkeit.
Ganz schlimm ist die große fourrière von Toulon. Dort sitzen durchschnittlich 50 Hunde auf engstem Raum und warten auf ihre Einschläferung. Es gibt ungefähr 10 „luxuriöse“ Boxen von 6 - 8 qm Größe, aber allein diese treiben einem die Tränen in die Augen. Die restlichen Tiere sind in kleinen, dunklen Verschlägen untergebracht, manche nur 4 - 5 qm groß. Die Kommunen verschließen die Augen, sie erfüllen mit dem Vertrag das vorgeschriebene Gesetz und die meisten wissen gar nicht, wie es im Innern der fourrières aussieht.
Eigentlich gibt es in Frankreich eine Tätowierungspflicht und ein Zentralregister für Hunde, nur halten sich viele Leute nicht daran. Untätowierte Hunde bleiben ca. 2 Wochen in der fourrière und werden dann eingeschläfert, denn nach Ablauf dieser Frist zahlen die Kommunen keine Pension mehr. Es gibt einige Tierschutzvereine so wie unser Verein SansCollierProvence, die sich um die Tiere in den fourrières kümmern.
Unsere Arbeit besteht darin, dass wir regelmäßig vier fourrières (die sehr große bei Toulon, zwei kleinere bei Brignoles und eine in Manosque) besuchen. Wir fotografieren die Hunde und veröffentlichen die Fotos in den Kommunen, bei Tierärzten und im Internet.
Das Personal faxt uns regelmäßig Listen mit den Hunden, die eingeschläfert werden sollen. Besonders belastend ist der Gang mit diesen Listen durch die überfüllten fourrières, um von Zwinger zu Zwinger die „abgelaufenen“ Hunde auszusuchen, die wir für vermittelbar halten und die somit weiterleben dürfen. Da diese Entscheidung vom finanziellen Polster des Vereins abhängt, muss man leider völlig rational an die Dinge herangehen: Der kleine, weiße Welpe in Box 7, der hat eine reelle Vermittlungschance, den können wir mitnehmen. Aber der nette Boxer mit der grauen Schnauze aus Box 9, der zitternd in der Ecke sitzt und die Welt nicht mehr versteht, für den ist leider nicht genug Geld da, um seinen u.U. längeren Aufenthalt in einer kleinen Pension zu finanzieren. Diese Bilder lassen einen nicht mehr los.
Und natürlich sind selbst wir trotz regelmäßiger Besuche in dieser Hölle noch nicht so abgestumpft, als dass uns Einzelschicksale kalt ließen. Manchmal weiß man ganz genau, dass eigentlich gerade dieser zitternde Hund in der Ecke eine recht geringe Vermittlungschance hat und somit viel Geld "verbraucht", bevor er ein neues Zuhause findet und trotzdem nimmt man ihn mit.
Um möglichst viele Hunde „finanzieren“ zu können, suchen wir Paten, die dann für einen Hund ihrer Wahl und für eine von ihnen festgesetzte Dauer die Pensionskosten übernehmen. Das gibt uns mehr Zeit, über Anzeigen in Zeitungen und im Internet neue Besitzer für ihn zu finden.